ABER DAS
LEBEN GEHT WEITER Ein
Film von Karin Kaper und Dirk Szuszies
Weltpremiere vom 4.-8.5.2011
auf dem Neissefilmfestival im deutsch-polnisch-tschechischen Dreilaendereck
Kinostart in Deutschland 19.5. 2011
In Polen wird der Film Premiere feiern im Programm des
40. Lubuskie Lato Filmowe in
Lagów vom 26.6.
- 3.7.11
Der Film erzählt sehr privat ein jahrzehntelanges besonderes
Kapitel in den deutsch-polnischen Beziehungen. Menschlich nah
und berührend erteilen die betroffenen Frauen jenen Kräften
auf beiden Seiten eine Absage, die neue Gräben zwischen den
beiden Völkern aufreißen möchten. Kommentarlos
kommen die Frauen zu Wort und lassen den Betrachter Anteil nehmen
an ihrer subjektiven Sicht der Ereignisse.
Ilse Kaper, die Mutter der Regisseurin, ist 1931 geboren. Ihre
einzig noch lebende Schwester, Hertha Christ, ist sechs Jahre
älter. Beide sind zwei Töchter von insgesamt sieben
Geschwistern des Bauernpaars Hedwig und Gustav Queißer,
die den seit Generationen in Familienbesitz befindlichen Hof 25
km östlich von Görlitz bewirtschafteten, in dem damaligen
Dorf Niederlinde, heute Platerówka.
Bist fast ans Kriegsende blieb Niederlinde von Kampfhandlungen
verschont, bis im März 1945 die Katastrophe über die
Familie hereinbrach. Das erste Mal flüchtete das Dorf mit
Sack und Pack vor den heranrückenden Einheiten der Roten
Armee. Der Vormarsch geriet ins Stocken, die Menschen kehrten
zurück. Auf dem Rückmarsch gen Westen quartierte sich
die Pfrundsberger SS im Dorf ein. Als die Front näher rückte,
sprengte diese die Brücken im Dorf und zog ab. Die Bevölkerung
allerdings konnte dem Einmarsch der Roten Armee nicht mehr entkommen.
Im Juni 1945 schickte diese die Deutschen über die Neiße,
um vor der Ankunft der polnischen Neusiedler alles Wertvolle in
Ruhe abtransportieren zu können. Der Familie Queisser war
nicht bewusst, dass ihr Heimatdorf zukünftig Polen zugesprochen
wurde. Nochmals kehrten sie zurück, begannen die Ernte einzuholen,
bis die polnische Miliz ins Dorf kam.
Edwarda Zukowscy musste sechzehnjährig als Mitglied einer
sechsköpfigen Bauernfamilie miterleben, wie am 10. Februar
1940 die sowjetische Armee sie alle aus ihrem Dorf in den ehemaligen
Ostgebieten Polens vertrieb und nach Sibirien zur Zwangsarbeit
deportierte. Nach dem Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion,
amnestierte Stalin zunächst die in den Lagern dahinvegetierenden
Polen. Für Edwardas Familie begann eine Odyssee, die sie
bis nach Kirgistan führte. 1943 erhielt sie den Einberufungsbefehl
in die Rote Armee. Später erlebte sie ohnmächtig den
Untergang Warschaus. Nach Ende des Krieges bekam sie den Marschbefehl,
sich in dem niederschlesischen Dorf Niederlinde einzufinden. Ihrerseits
ihrer eigenen Heimat beraubt, sollte sie nun mit dem Hof der Familie
Queißer entschädigt werden. Es gelang ihr, ihre Familie
aus Kirgistan nachkommen zu lassen.
Ein Jahr lang noch lebten die Queissers zusammen mit dem Vater
Edwardas auf ihrem Hof. Das Zusammenleben war äußerst
schwierig, aber geprägt von seltenem menschlichen Mitempfinden.
Im Juni 1946 wurden die Deutschen plötzlich endgültig
aus dem Dorf vertrieben, nach langer Irrfahrt landete Familie
Queisser in Syke bei Bremen. Die Töchter überlebten
als Mägde und billige Arbeitskräfte, sorgten dann bald
für das „ Deutsche Wirtschaftswunder“ während
Edwarda und ihre Familie in die Zwänge neuer kollektiv geführter
Landwirtschaft geriet.
Der Film berücksichtigt nicht nur diese wichtigen historischen
Aspekte, er wirft auch ein Licht auf die Entwicklungen der Nachkriegszeit
sowie spätere Jahrzehnte bis heute. Karin Kaper erinnert
an die erste gemeinsame Reise 1975 mit ihrer Mutter in deren Heimatdorf,
das nun Platerówka hieß.
Maria Wojewoda, die Tochter Edwardas, verkörpert die erste
polnische in Platerówka geborene Generation. Und Gabriela
Matniszewka, die Enkelin Edwardas, vollzieht den Sprung aus der
Gegenwart heraus in eine deutsch-polnische Zukunft, die im Bewusstsein
der historischen Verantwortung hoffnungsvolle neue Möglichkeiten
eröffnet.
Stabliste „Aber das Leben geht weiter“
Ein Film von Karin Kaper und Dirk Szuszies
104 Minuten, Originalformat Digibeta 16:9
Weitere Vorführformate Beta SP, DVD,DCP
Original deutsche Fassung mit deutschen UT für die polnischen
Sequenzen
Original polnische Fassung mit polnischen UT für die deutschen
Sequenzen
Gefördert aus Mitteln
der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit in Warschau
Produktion: Karin Kaper Film Berlin
Kamera: Dirk Szuszies
Super 8: Ilse Kaper
Schnitt: Karin Kaper und Dirk Szuszies
Original Musik: Patrick Grant
Bildbearbeitung: Werner Bednarz und Philipp Teubner
Ton: Philip Teubner
Mitwirkende im Film:
Edwarda Zukowska
Maria Wojewoda
Gabriela Matniszewska
Ilse Kaper
Hertha Christ
Karin Kaper
u.a.
© Karin Kaper Film Berlin 2011



